Steve Pavlina 

Heuristiken sind Regeln, die helfen sollen, Probleme zu lösen. Ist ein Problem zu groß oder zu komplex, so dass die optimale Lösung unklar ist, kann man mit Hilfe der Heuristik Fortschritte in Richtung einer Lösung erzielen, auch ohne den ganzen Weg bis zur Lösung zu kennen. Angenommen, dein Ziel ist es, den Gipfel eines Berges zu erklimmen, aber es existiert kein Pfad dem du folgen könntest.


Ein Beispiel für Heuristik wäre: Du gehst der Nase nach immer direkt in Richtung Gipfel, bis ein Hindernis vor dir auftaucht das du nicht überqueren kannst.
Jedes Mal, wenn du so ein Hindernis erreichst, gehst du nach rechts, so lange, bis du wieder Richtung Gipfel gehen kannst. Dies ist nicht die intelligenteste oder ausgeklügelste Heuristik, aber in den meisten Fällen wird es funktionieren.

Heuristiken garantieren nicht unbedingt die optimale Lösung, noch garantieren sie überhaupt eine Lösung. Aber sie funktionieren gut genug, um bei bestimmten Problemen hilfreich zu sein. Ihre Stärke ist, aus der Sackgasse der Unentschlossenheit zu führen und dich zum Handeln zu bringen. Sobald du anfängst etwas zu unternehmen, wird sich dein Verständnis des Problems vertiefen. Mit diesem größeren Wissen, kannst du Kurskorrekturen vornehmen und so schrittweise der Lösung näher kommen. Wenn du vor einem Problem stehst, von dem du anfangs nicht weißt, wie du vorgehen sollst, wirst du oft feststellen, dass es eine Lösung gibt, an die du nicht gedacht hattest, bevor du anfingst zu handeln. Das gilt vor allem bei kreativer Arbeit wie zum Beispiel der Softwareentwicklung. Oft weiß man gar nicht, was es werden wird, bis man anfängt zu handeln.

Heuristiken haben viele praktische Anwendungen. Einer meiner Lieblingsbereiche ist die persönliche Produktivität. Eigentlich sind es Verhaltensregeln (einige allgemeine, einige der jeweiligen Situation angepasst), die uns helfen, Dinge effizienter zu erledigen. Hier sind einige meiner Favoriten:

1 Löschen! Der effizienteste Weg, sich einer Aufgabe zu entledigen ist, sie zu löschen. Wenn du die Aufgabe nicht erledigen musst, hat sie auf der Liste nichts zu suchen.
2 Tägliche Ziele. Setze dir jeden Tag Ziele im Voraus. Ohne ein klares Ziel wird man zu leicht abgelenkt. Entscheide dich, was zu tun ist und mache es dann.
3 Das Schlimme zuerst. Erledige unangenehme und unbeliebte Arbeiten zuerst. Schiebe diese Aufgaben nicht den ganzen Tag vor dir her. Dieser kleine Sieg wird den ganzen Tag den Ton angeben.
 4 Spitzenzeiten. Finde die Zeiten heraus, zu denen du am produktivsten arbeiten kannst. Plane die wichtigsten Tätigkeiten für diese Zeiten. Die weniger wichtigen legst du auf andere Zeiten.
5 Nicht stören! Plane Zeitblöcke, in denen du nicht gestört werden möchten. Für konzentriertes Arbeiten, anspruchsvolle Projekte und Tätigkeiten, die nicht unterbrochen werden dürfen.
6 Mini Meilensteine. Wenn du eine Arbeit beginnst, setze dir ein Etappenziel, das du erreichen willst, bevor du aufhörst. Wenn du zum Beispiel an einem Buch arbeitest, dann entscheide dich, nicht eher aufzustehen, bis du 1000 Wörter geschrieben hast.
7 Zeitrahmen. Setze dir einen festen Zeitrahmen bis zu einer Pause, zum Beispiel 30 Minuten. In dieser Zeit kümmerst du dich nicht darum, wie weit du kommst.
8 Bündeln. Lege gleichartige Aufgaben wie Anrufe oder Besorgungen zusammen und erledige diese im Block.
 9 Der frühe Vogel. Steh‘  früh auf und erledige die wichtigsten Aufgaben. Oft wirst du zwischen 5 Uhr und 8 Uhr mehr erledigen, als die meisten anderen Menschen an einem ganzen Tag.
 10 Zone der Stille. Schalte an deinem Laptop die Netzwerk- oder WiFi-Verbindung ab und gehe an einen Ort, wo du ungestört arbeiten kannst. Zum Beispiel in einer Bibliothek, einem Cafe, im Park oder im eigenen Hinterhof. Schalte deine Kommunikationsgeräte ab.
11 Tempo. Versuche ganz bewusst, dich ein wenig schneller als üblich zu bewegen. Spreche schneller. Gehe  schneller. Lese schneller. Schreibe schneller. Gehe früher nach Hause.
12 Entspannt. Durch einen aufgeräumten Arbeitsplatz reduzierst du Stress und arbeitest entspannt.
13 Tagesordnungen. Erstelle klare, schriftliche Listen vor Gesprächsterminen. Das erhöht die Effizienz. Das gleich gilt für Telefongespräche.
14 Pareto. Das Pareto-Prinzip ist die 80 – 20 Regel. Das bedeutet, dass 80% einer Aufgabe mit 20% des Aufwandes erreicht werden. Konzentriere dich sich also auf diese 20% und laboriere nicht an den 80% herum.
15 Ziel erfassen und feuern. Nachdem du ein Ziel festgelegt hast, handele direkt. Auch wenn die Aktion noch nicht perfekt geplant ist. Anpassungen kannst du jederzeit vornehmen.
16 Minutenentscheidung. Wenn du alle Informationen hast, die du brauchst, um eine Entscheidung zu treffen, starte einen Timer und gib dir nur 60 Sekunden, um eine Entscheidung zu treffen. Gib dir noch eine ganze Minute, um das Für und Wider abzuwägen, aber triff am Ende eine klare Entscheidung. Nachdem das Ergebnis vorliegt, handele sofort und lasse Taten folgen.
17 Termin. Setze dir eine Frist für die Erledigung einer Aufgabe und kontrolliere die Einhaltung.
18 Versprechen. Erzähle auch anderen von deinen Vorhaben, das nimmt dich in die Verantwortung.
19 Pünktlichkeit. Was auch immer es ist. Erscheine rechtzeitig
20 In Lücken lesen. Lese in Leerzeiten. Während du auf eine Verabredung wartest, oder in der Schlange stehst oder solange der Kaffee durchläuft. Als Mann, der sich elektrisch rasiert, kannst du sogar während der Rasur lesen. Das sind dann 365 Artikel im Jahr.
21 Resonanz. Stelle dir dein Ziel, als bereits erreicht vor. Versetze dich in einen Zustand in dem du dich bereits am Ziel befindest. Lass es in deinen Vorstellungen real werden und bald wird es tatsächlich real sein.
22 Schillernde Preise. Gönne dir häufiger eine Belohnung für deine Leistung. Geh‘  ins Kino, buche  eine professionelle Massage oder genieße einen Tag in einem Freizeitpark.
23 Trennen. Unterscheide die wirklich wichtigen Aufgaben von den dringenden. Arbeite in Zeitblöcken an den Aufgaben die wichtig aber selten dringend sind, wie zum Beispiel Sport, ein Buch zu schreiben oder einen Partner zu finden.
24 Kontinuität. Lege am Ende des Arbeitstages bereits die erste Aufgabe für den nächsten Tag fest und bereite alles dafür vor. Am nächsten Tag startest du dann direkt mit dieser Aufgabe.
25 Zerlegen. Teile  komplexe Projekte in kleinere, genau definierte Aufgaben. Konzentriere dich auf den Abschluss jeweils nur einer der Teilaufgaben.
26 Nur eine Aktion. Sobald du mit einer Aufgabe beginnst, bleib dabei, bis sie zu 100% abgeschlossen ist. Unterbreche deine Arbeit nicht zwischendurch. Solltest du abgelenkt werden, notiere deine Einfälle und kümmere dich später darum.
27 Zufall. Wähle ein zufälliges Stück eines größeren Projektes und erledige es. Bezahle eine willkürlich ausgewählte Rechnung. Mache einen Telefonanruf. Schreibe die Seite 42 deines Buches.
28 Ziemlich schlecht. Bezwinge den Perfektionismus, indem du eine Aufgabe absichtlich schlecht ausführst. Wohl wissend, dass die Ergebnisse niemand zu Gesicht bekommen wird. Schreibe zum Beispiel einen Blog-Eintrag über den Geschmack von Salz. Kreiere eine schreckliche, dysfunktionale Website. Erstelle einen Businessplan, der einen Bankrott im ersten Jahr garantiert. Nach so schrecklichen ersten Entwürfen, kann es nur noch aufwärts gehen.
29 30 Tage. Wähle eine Gewohnheit, die du gern ausbilden würdest. Verpflichte dich, auch wenn es dir schwer fallen sollte, die neue Gewohnheit für nur 30 Tage anzuwenden. Eine kurzzeitige Verpflichtung einzugehen ist wesentlich einfacher, als ein langfristiges Ziel einzuhalten
30 Delegieren. Überzeuge jemanden, es für dich zu erledigen.
31 Kreuzbestäubung. Melde dich für den Kampfsport an, starte ein Blog oder werde Mitglied einer Theatergruppe. Du wirst oft erleben, dass Ideen der einen Seite, die Leistungen der anderen Seite steigern können.
32 Intuition. Achte auf dein Bauchgefühl. Es liegt wahrscheinlich richtig.
33 Optimierung. Schreibe die Vorgänge, die du am häufigsten bearbeitest, Schritt für Schritt auf. Um eine bessere Effizienz zu erhalten, plane die Abläufe auf dem Papier neu, gestalte sie um. Dann teste die neuen Abläufe. Manchmal können wir einfach nicht sehen, was direkt vor uns liegt, bis wir es unter dem Mikroskop betrachten.
Steve Pavlina

Steve Pavlina

Steve Pavlina ist in den USA der wohl bekannteste Blogger zum Thema Persönlichkeitentwicklung. Das Themenspektrum über das er schreibt, ist sehr umfangreich. Seine Thesen sind jedoch nicht unumstritten.

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