Ist dir schon mal aufgefallen: Der Maßstab für die Wichtigkeit eines Menschen ist die Zeit. Der Arzt zum Beispiel gewährt mir zwei Minuten, vielleicht drei – obwohl ich für diese Gelegenheit fast eine Stunde im Wartezimmer ausgeharrt habe, trotz Termin. Und den Großteil der zwei Minuten, die ich vor seinem Schreibtisch verbringe, tippt er irgendwas in seinen Computer, hört nur mit halbem Ohr oder gar nicht zu.

Vielleicht ist das bei Privatpatienten anders, ich kenn‘ das eben nur so. Der Arzt gewährt mir nur sehr wenig von seiner Zeit. Also bin ich ihm nicht sehr wichtig. Andererseits hat er keine Skrupel, seine Patienten eine Stunde warten zu lassen. Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich, dass der Arzt sehr wichtig ist, wenn so viele Menschen bereit sind, so lange auf ein kurzes Gespräch mit ihm zu warten. Die Reihe der Beispiele ließe sich noch verlängern bis nach ganz oben. Wie lange muss man wohl Geduld üben, bis man einen Termin beim Kanzler oder beim Präsidenten bekommt?

Das sollte doch jedem zu denken geben. Nachzudenken darüber, wie wir mit unserer Zeit umgehen. Wofür benutzen wir unsere Zeit? Nun, es ist schon klar, dass niemand seine gesamte Zeit, ausschließlich hochproduktiv verwendet. Ich denke, das könnte man auch gar nicht. Ruhephasen sind wichtig, mal eine Auszeit nehmen. Was ich meine, ist die Sache mit der Zeit am Arbeitsplatz.

Nach einer Umfrage des Marktforschungsinstitites YouGov, ist die Hälfte der Arbeitnehmer mit ihrem Job zufrieden. Das bedeutet ja wohl auch, dass die andere Hälfte eben nicht zufrieden ist. Trotzdem aber jeden Morgen brav am Arbeitsplatz erscheint, Tätigkeiten verrichtet, die sie nicht mögen und die Stunden bis zum Feierabend zählt. Die Tage bis zum freien Wochenende zählt. Und das Tag für Tag, Woche für Woche und Jahr für Jahr.

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